2 Jahre Exadata Cloud @ Customer in Baloise – was wirklich funktioniert, und was nicht

Am 20. Mai 2025 war ich beim 22nd Engineered Systems Community Meeting zu Gast – diesmal mit einem Co-Vortrag zusammen mit Jérôme Witt von dbi services. Thema: wie die Exadata Cloud@Customer bei Baloise nach gut zwei Jahren echtem Betrieb wirklich aussieht. Nicht die Marketing-Version, sondern die ehrliche – mit Cloning-Tücken, konkreten Service Requests und dem, was wir anders gemacht hätten.

Wenn du Oracle nur als relationale Datenbank nutzt, solltest du die Wahl nochmal überdenken. ExaCC entfaltet seinen Wert nur, wenn du die Features auch wirklich einsetzt.


Die Speakers

Ein Vortrag, zwei Perspektiven

Was diesen Talk besonders gemacht hat: Jérôme und ich haben die Plattform aus zwei verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – dem des Kunden und dem des Integrations-Partners. Das hat für ehrliche Diskussionen gesorgt.

Kay Leonhardt
Service Owner Oracle · Baloise

Kundenperspektive: Betrieb, Entscheidungen, Kosten, Lessons Learned aus dem Alltag.

Jérôme Witt
Senior Principal Consultant · dbi services

Integrations-Perspektive: Automatisierung, Ansible, PDB-Cloning-Architektur, ZDM-Know-how.


Zielarchitektur

Was hinter ExaCC bei Baloise steckt

Das Ziel war von Anfang an klar: alle Oracle-Datenbanken von Baloise auf einer einzigen, modernen Plattform konsolidieren – mit Cloud-Flexibilität, aber im eigenen Rechenzentrum. Baloise hat sich für das Licenses Included-Modell mit vorausbezahlten Universal Credits entschieden, 60-monatige Laufzeit, Enterprise Edition Extreme Performance inklusive aller Options.

Seit Q3/2024 wurde die Plattform erweitert: Beide Seiten haben je 2 zusätzliche Storage Server erhalten – ein klares Zeichen dafür, dass die Plattform angenommen wird und wächst.

🏗️
Standorte

Quarter Rack DC1 Schlieren (Prod + Acceptance), Half Rack DC2 Glattbrugg (DR + NonProd).

⚙️
Stack

RAC, Active Data Guard, TDE, OEM/ITSM, Streamworks, Ansible, USU Valuemation CMDB.

🔒
Zero Trust

Strikte Trennung Prod/NonProd via Oracle Connection Manager. Kein direkter Zugriff zwischen Stages.


Efficient Cloning

Sparse Magic – und wo die Magie aufhört

Das Cloning-Kapitel war eines der technisch dichtesten im Vortrag. Jérôme hat detailliert erklärt, wie wir PDB-Cloning und Sparse Clones bei Baloise einsetzen – und wo wir gegen Grenzen gestossen sind.

Zum Vergleich: Baloise hatte vorher jahrelang NetApp ONTAP FlexClone (via SnapManager for Oracle) im Einsatz – seit frühen 2010er-Jahren, integriert in DevOps-CI/CD-Pipelines mit Self-Service-Portal, on-demand, on-schedule und per REST-API. Das war die Messlatte.

Vorteile

  • Native SQL-Befehle – keine Sondertools
  • Volle Exadata-Funktionalität (Smart Scans etc.)
  • Effizientes Space-Management bei Sparse Clones
  • Einheitliche Kommandos für Full Clone, Refreshable Clone & ALTER PLUGGABLE DATABASE

Herausforderungen

  • Source für Sparse Clones muss Read-Only sein
  • TMRs verbrauchen Speicher
  • Kein Disaster Recovery für Sparse Clones
  • Refreshable Clone bleibt nach Reboot im Status «mounted»
  • SQL*Net PDB Cloning hängt bei PDB-Restart-Operationen
  • Change-Resistance im Team – Umdenken von nonCDB zu Multitenant nötig

Bigfile Tablespaces verdienen besondere Aufmerksamkeit: PDB-Cloning mit dem Feature à la «RMAN section_size» funktioniert nur, wenn der Degree of Parallelism grösser als die Anzahl der Datafiles ist. Ein Detail, das in der Dokumentation leicht übersehen wird.


Migration

ZDM 21.5 – was neu ist

Zum Zeitpunkt des Vortrags war ZDM 21.5 die aktuelle Version – mit einigen relevanten Neuerungen gegenüber dem, was wir bei der initialen Migration genutzt haben:

⬆️
Inflight Upgrade

Physical Online Migration jetzt mit gleichzeitigem Major-Release-Upgrade, z.B. direkt von 11c nach 19c.

🔄
Cloud Native DR

ZDM erstellt nach der Physical Migration automatisch die Data Guard-Umgebung am Ziel.

🗃️
Neue Offline-Methode

Hybrid Migration via RMAN Transportable Tablespaces für Daten + Data Pump für Metadaten.


Challenges

Echte Service Requests – kein Hochglanz

Der Vortrag wäre nicht komplett ohne den ehrlichsten Teil: unsere konkreten Probleme mit Oracle. Hier eine Auswahl aus den Service Requests, die uns beschäftigt haben:

SR-Nr.ThemaFazit
3-34319751641CPU Speed falsch gemeldetKnown Bug im ILOM – Fix im Kernel-Patch enthalten.
3-37084279341Dynamic Scaling auf RedHatWorkaround: execute-Permission auf /tmp – mit Sicherheitsbedenken.
3-39110244169DNFS + NFSv4 auth_sysUnpublished Bug: Direct NFS unterstützt keine NFSv4 User-Level-Authentifizierung.
4-0000548895Grid 23ai: Instanzen nicht in /etc/oratabInterner Bug, Workaround von Oracle bereitgestellt.
4-0000364043Patching mit NFS MountRoot sieht NFS-Inhalt nicht → Patching schlägt fehl. Permission-Problem.
4-0000214853ORA-04031: Shared Pool / KGLH0SHARED_POOL_SIZE auf PDB-Ebene verursacht Heap-Manager-Probleme. Lösung: PDB-Level-SGA-Parameter entfernen.

Advices & Hints

Was wir jedem mitgeben würden

💡 Cloud-Abrechnung verstehen: ExaCC rechnet per OCPU ab. Wer Parallelismus nicht kontrolliert, erlebt böse Überraschungen auf der Rechnung. Parallelism Degree auf Query- und DB-Ebene prüfen.
⚠️ Migrationsaufwand nicht unterschätzen: Der Wechsel von Standalone-DB ohne Tenant auf RAC + Multitenant + Active Data Guard braucht echte Test-Energie – auch bei gleicher Oracle-Version (19c).
🎓 Multitenant-Architektur erst lernen: OCI Free Tier eignet sich hervorragend, um die Konzepte vorher in Ruhe zu üben – bevor man in der Produktion steht.
🚀 Features wirklich nutzen: Wer ExaCC nur als teure relationale DB betreibt, hat die falsche Plattform gewählt. Smart Scans, In-Memory, Advanced Compression – das ist der Grund, warum man hier ist.
🔄 Change-Resistance einplanen: Das Umdenken von nonCDB zu Multitenant ist nicht nur technisch, sondern auch kulturell eine Herausforderung. Zeit für Training einplanen.

Der 22nd Engineered Systems Day – worth it

Das Format der Engineered Systems Community hat mir immer gefallen: technisch tief, praxisnah, keine Verkaufs-Slides. Gemeinsam mit Jérôme zu sprechen war eine Bereicherung – die dbi-Services-Perspektive ergänzt die Kundensicht auf eine Art, die alleine nicht möglich wäre. Fragen, Anmerkungen oder eigene ExaCC-Erfahrungen? Immer gerne in die Kommentare.

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